Bilaterale Beziehungen
AUS DER GESCHICHTE DER RUSSISCH-ÖSTERREICHISCHEN DIPLOMATISCHEN BEZIEHUNGEN

Den diplomatischen Beziehungen zu Wien, die bereits seit etwa drei Jahrhunderten bestehen, wurde in Russland immer eine besondere Bedeutung beigemessen. Die russisch-österreichischen Kontakte begannen schon unter Friedrich III. (1436), und Ende des 15. Jahrhunderts tauschten Kaiser Maximilian und Zar Iwan III. Gesandtschaften aus. Regelmäßige Kontakte mit dem österreichischen Hof wurden allerdings erst von Peter I. hergestellt. 1698 besuchte er an der Spitze einer großen Gesandtschaft Wien und sprach mit Kaiser Leopold I.

Seit der Herrschaft von Peter I. wurden nach Wien üblicherweise herausragende Staatsmänner und erfahrene Diplomaten als Botschafter entsandt – D.M. Golizyn, A.K. Rasumowski, A.M. Gortschakow, P.M. Bestuschew, A.A. Matwejew.

Der erste russische Botschafter in der österreichischen Hauptstadt, der bis heute in gutem Andenken behalten wird, war Fürst Dmitri Michailowitsch Golizyn. Er diente in Wien mit geringen Unterbrechungen von 1763 bis 1792 insgesamt 18 Jahre. Die Straße, wo einmal die Residenz des Botschafters war, trägt bis heute den Namen "Gallitzinstraße".

1792 wurde Graf Andrej Kirillowitsch Rasumowski – eine Persönlichkeit von Format – zum Botschafter in Österreich. Der russische Botschafter pflegte enge Beziehungen zu vielen Vertretern des europäischen Adels, prominenten Politikern und Kulturschaffenden der damaligen Zeit und galt als eine legendäre Persönlichkeit. Das von Rasumowski in Wien erbaute Palais heißt auch heute noch "Palais Rasumowski". Er ließ auch eine Steinbrücke über die Donau bauen und gründete eine Gemäldegalerie.

Mit Österreich ist auch das Schicksal eines hervorragenden russischen Diplomaten und Staatsmannes – Fürst Alexander Michailowitsch Gortschakow - eng verbunden. Er kam im Jahre 1833 als Botschaftsrat nach Wien und von 1854 bis 1856 leitete er die diplomatische Mission Russlands in Österreich.

Alexander Gortschakow wurde zum Außerordentlichen und Bevollmächtigen Gesandten beim österreichischen Hof in der für Russland schwierigen Zeit des Krimkrieges. Es war kein leichter Abschnitt in den russisch-österreichischen Beziehungen. Trotz den scharfen Gegensätzen gelang es Gortschakow, eine Linie zu verfolgen, die auf die Erhaltung der diplomatischen Beziehungen mit Österreich, die Überwindung von Russlands Isolation auf internationaler Ebene und die Festigung seiner Position als Weltmacht abzielte. Gerade in der österreichischen Hauptstadt fand während der Wiener Konferenz der erste Auftritt Gortschakows vor einem internationalen Forum statt, mit dem sich der künftige russische Außenminister einen Namen in den Kreisen der europäischen Diplomatie machte.

1882 wurde Fürst Alexej Borissowitsch Lobanow-Rostowski zum Botschafter in Wien ernannt, der nicht nur als Diplomat, sondern auch als Wissenschaftler bekannt war. Er hinterließ in der österreichischen Hauptstadt eine gute Erinnerung dank seiner schöpferischen Tätigkeit: 1891 erwarb er vom Herzog von Nassau mehrere Gebäude in der Reisnerstraße, wo sich auch heute noch die Botschaft und ihre Konsularabteilung befinden, und begann mit der Errichtung einer dem Heiligen Nikolaus gewidmeten Russisch-orthodoxen Kathedrale auf dem Territorium der Russischen diplomatischen Mission. Nach dem Zerfall der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn im Jahre 1918 und der Ausrufung der Republik Österreich nahmen die Regierungen der UdSSR und Österreichs am 25. Februar 1924 diplomatische Beziehungen aufgenommen. Zum ersten sowjetischen Botschafter in Wien wurde Jan Antonowitsch Beresin ernannt.

Nach dem Einfall der Truppen Hitler-Deutschlands in Österreich und dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern abgebrochen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahmen die Sowjetunion und Österreich im Oktober 1945 diplomatische Beziehungen auf der Ebene von politischen Vertretungen auf. Im Juni 1953 wurden diese in Botschaften umgewandelt.

In der Präambel des Staatsvertrages über die Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreich, der am 15. Mai 1955 von der UdSSR, den USA, Großbritannien und Frankreich einerseits sowie Österreich andererseits unterzeichnet wurde, ist festgelegt, dass dieser Vertrag "als Grundlage für freundschaftliche Beziehungen" dienen wird. Nach dem Zerfall der Sowjetunion entwickeln sich die Beziehungen zwischen der Russischen Föderation als dem Rechtsnachfolgerstaat der Sowjetunion und der Republik Österreich im traditionell freundschaftlichen Sinne.